Werkstatt-Programm 1. Set

Fr, 3. April 2020 – 20:15 ics

Der Begriff "improvisierte Musik" hat heute zu viele Interpretationsmöglichkeiten bekommen und ist zu einer bedeutungsschwachen und ungeeigneten Musikkategorie geworden, um eine Art von Musik zu definieren, die in der Gegenwart entsteht. Improvisiert (Lat: improvisus) steht für unerwartet, plötzlich, nicht vorhersehbar, und ist daher definitiv nicht geeignet, die Praxis des Musikers zu beschreiben, der im Moment komponiert, in einem intuitiven Fluss versinkt, die sich bildenden Klangkonstellationen antizipiert und vorhersieht (vorfühlt). Ich bin überzeugt, dass wir heute, im einundzwanzigsten Jahrhundert, in eine neue Ära eingetreten sind, in der die Beachtung des Hier und Jetzt eine grundlegende Notwendigkeit sein wird. Die Musik wird diese Bedürfnisse widerspiegeln und ein Modell der Anwendung sein, eine Praxis des Bewusstseins sowohl für den Musiker als auch für den Hörer.
Die Kategorie “improvisierte Musik” wird durch “Musik in der Gegenwart” (Musica nel presente) ersetzt, im Sinne von Präsenz (aus dem Lateinischen "presum" pre = davor, voraus, // sum = sein): im voraus sein, vorhanden sein. Die in der Gegenwart geschaffene Musik, ist eine Musik die vor uns entsteht in dem Moment, in dem sie zur Musik wird.
Eine Musik, die gehört, gespürt wird, bevor sie sich manifestiert, ein Gewahr werden des inneren Hörens.
Diese vorweggenommene Wahrnehmung entsteht aus der Intuition, die immer einen Moment vor der Übersetzung des Intellekt in eine Form eintritt. Eine Musik, die prärationale Erfahrungen und Erfahrungsweisen hörbar machen soll. Musik in der Gegenwart löst sich aus der Verbundenheit mit der Vergangenheit und fällt nicht in die Zukunftserwartungen, eine Musik die dank des Regens der Intuition auf dem Humus individueller Erfahrungen und Fähigkeiten blüht. (guy bettini)

Musiker*innen
  • Natacha Muslera – Stimme
  • Natalie Peters – Stimme
  • Michel Doneda – Saxophon
  • Guy Bettini – Cornet
Fotos
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